Die etwas andere Vorgeschichte zu Warcraft Legion (Teil 2 von 3)

ES BEGINNT

Fünf Tage später in Ratchet

Kolrarr ritt auf seinem Tiger den kleinen Weg von Ogrimmar aus kommend auf Ratchet zu. Das Schiff aus Booty Bay sollte gleich anlegen und den erwarteten Besuch mitbringen. Er hätte nicht gedacht, dass Allianz und Horde sich jemals so nahe gekommen wären. Aber bei der bevorstehenden Gefahr wurde scheinbar jedermann gebraucht. Und so sorgten Vol’jin und Varian mit einem Erlass für die Freilassung aller Kriegsgefangenen. Hoffentlich waren seine beiden Freunde nun auch dabei.

Er erreichte gerade den Schiffsanleger, als die Passagiere auf den Steg traten. Doch keine Spur von einem untoten Magier oder einem Taurenschamanen. Nur eine kleine untote Lady blinzelte ihm zu. „Tahandra, wie schön dich hier zu sehen. Hast du es doch geschafft.“ – „Sie haben mir in Booty Bay die Schule geschlossen und alle Kinder nach Shattrath geschafft. Dort soll es jetzt sicherer sein. Und so fällt mir zuhause die Decke auf den Kopf. Also warum nicht Zeit und Legion derweilen tot schlagen.“ Sie gingen beide vom Steg zu den Reittieren am Gasthof.

„Es freut mich, dass du dabei bist. Ich dachte schon, du hast meine Nachricht gar nicht bekommen.“ Kolrarr band seinen Tiger los. „Lass uns zu den anderen reiten, sie…“, der Orc stutzte. Dieser Akzent aus dem Gasthaus, so bekannt und hier auch so selten. War das etwa…?

Kolrarr öffnete die Tür und betrat mit Tahandra das Gasthaus. Es war nicht viel los, aber das war auch zu der frühen Stunde nicht zu erwarten. Hinten in der Ecke kauerte ein klappriger Untoter über einem Grog auf seinem Tisch. Kolrarr war sich nicht sicher, ob er nur besoffen oder nicht sogar schon toter war. Am Tresen stand gerade ein Orc mit dem Rücken zur Tür und bestellte scheinbar eine neue Runde für die Kartenspieler auf der anderen Seite der Bar. Von da kamen die Geräusche. „Ich hab nicht gschummelt du Surm“, maulte der untote Magier und zeigte auf sein Blatt. Gegenüber stand ein halb nackter Allianzsoldat und schaute grimmig drein. Als dritter am Tisch saß ein gerade laut auflachender Taurenschamane „Muhahahah – bischt auch zu blöd Blitzgneißer von einem Allianzer. Und nu zischt mal die Hose aus. Muhahahah!“

In diesem Augenblick drehte sich der Orc am Tresen mit vier Krügen in der Hand um und blickte Kolrarr und Tahandra an „Kolle! Schaut Jungs, da sind Kolle und Muh.“ Der Magier und Schamane am Tisch drehten den Kopf und lächelten beiden zu, während der Allianzsoldat gerade seine Hose auszog. „Haben dich schon überall gesucht Kolle – also in jeder Ecke dieser Pinte. Hicks!“ Der Orc stolperte fast beim Aufstoßen und stellte die Krüge auf dem Tisch ab.

Kolrarr verzog das Gesicht „Carand, Corch, Niragara, welch eine Überraschung. Ich dachte ihr würdet heute mit dem Schiff erst ankommen. Die Freilassungen waren doch erst gestern.“ Corch lachte auf „Meinst doch nicht ernsthaft, dass wir warten bis man uns offiziell frei lässt. Das ist nicht unser Niveau.“ Niragara ergänzte „Carand hat vor zwei Tagen das Gefängnis gesprengt und alle Insassen waren frei. Muhahaha! Mit dem Erlass könn‘ die sich den Orsch abputzn.“

„Und jetzt hockt ihr hier im Gasthaus, zieht nen Allianzsoldaten beim Strippoker aus und sauft euch voll? Hättet mich ja aufsuchen können.“, Kolrarr zeigte sich leicht genervt. Corch stand auf und trat an Kolrarr dran und tätschelte ihm die Backe „Och Kolle mein Herzbinkerl, wir wussten doch, dass du uns heute am Steg erwartest. Jetzt komm her und trink noch einen mit.“

In diesem Augenblick räusperte sich Tahandra aus dem Fenster spähend „Auch wenn ich nur zu gern weiter eurer kuschligen Willkommensparty zuschauen würde, aber da draußen geht gerade was vor…“

Kaum hatte sie es ausgesprochen, da brach auch schon die Tür des Gasthauses  urplötzlich mit einem riesigen Knall auf und ein blutüberströmter Goblin flog in Richtung Theke. Hinter ihm schlurften zwei sabbernde Ghule ins Gasthaus. Corch sprang auf und ließ die beiden in Eisblöcken verschwinden. Kurz danach wurden sie mit einem Kettenblitz aus Carands Händen pulverisiert. „Verdammt es geht schon los“, Kolrarr eilte zur Tür und spähte nach draußen. „Packt eure Sachen. Wir müssen hier raus.“ Tahandra ging schnell hinaus, der Allianzsoldat war schon in voller Montur und schwang sein Schwert. Corch schaute zu dem klapprigen Skelett am Nebentisch. „Was ist mit dem?“ – „Was soll mit ihm sein?“, raunte Kolrarr während er gerade Totems beschwor. „Das ist Beschorner. Er war auch unter uns Gefangenen und ihm hats hier wohl zu gut geschmeckt.“ Kolrarr verdrehte die Augen. „Nira pack ihn dir über die Schulter und dann nichts wie weg hier.“

Draußen war buchstäblich die Hölle los. Kriechende Zombies, Skelette und Ghule, die aus dem Meer zu kommen schienen, begleitet von Teufelshunden, die in Rudeln ausströmten. Tahandra zauberte einen Schattenzauber nach dem anderen, um die fliehenden Goblins zu retten. Corch und Carand eilten ihr zur Hilfe. Der Allianzsoldat stand an vorderster Front und schlachtete die lebenden Leichen reihenweise ab, als urplötzlich eine riesige Verdammniswache vor ihm auftauchte. Zu spät sah er ihr Schwert, was sich durch ihn bohrte. Er brach tot zu Boden. Die Bestie grölte und schaute in Richtung der Gruppe. Hinter ihr tauchten weitere Verdammniswachen auf…

„Wir haben hier keine Chance, weg hier“, Kolrarrs Stimme verflüchtigte sich im Kampflärm, aber die anderen hörten ihn. Carand drehte sich um „WOHIN?“ – „Zum Treffpunkt, wir müssen zu den anderen“, Kolrarr zeigte in den Süden. Corch zauberte einen Blizzard, der die untoten Gegnermassen kurzzeitig stoppte. Die Gruppe drehte der anstürmenden Legion den Rücken zu und floh den Hügel hinauf in den Süden.

Und Ratchet begann zu brennen…

 

DER ABLFUG

Währenddessen weiter südlich

„Für mehrere Wochen? Du meintest was von einem Ausflug. Mal was Neues sehen, bisschen rauskommen. Ein bis drei Tage ja – ok, aber mehrere Wochen???“ Die untote Hexe schaute ihren Gegenüber grimmig an.  „Du hast doch gehört, wir müssen doch erst mit dem Luftschiff rüber, dann die Gegend auskundschaften, dann…“ Der untote Priester wurde von seiner Partnerin unterbrochen „MEHRERE WOCHEN?“

Abseits stand Saeryn und beobachtete die wilden Diskussionen des Paares. Dass Hellwitch und Hellsick überhaupt gekommen waren, war ein Wunder. Aber diese Theatralik….

Ghorak trat an sie heran „Wie lange geht das schon so?“ – „Och erst seit 2 Stunden.“ Ghorak verzog das Gesicht. Saeryn grinste „Na komm, so wird der Flug wenigstens nicht langweilig.“ Der Jäger schnaufte und drehte ab. Saeryn griff in ihre Tasche und blickte auf das Pergament, welches Kolrarr mitgebracht hatte. Ihre Gemütslage wurde ernster. „Saeryn?“ Sie blickte auf und sah Septic vor sich stehen. Sie war so vertieft in Gedanken gewesen. „Kannst du bitte mal rüber kommen und dir unseren Steuermann anschauen? Ich hab keine Ahnung wen Tham da ausgegraben hat, aber irgendwie ist der merkwürdig. Mürrisch und maulend und man sieht sein Gesicht nicht.“ – „Hast du mal Tham gefragt, wer das ist?“ Septic schüttelte den Kopf. „Nein, er taucht gerade mit Josi unter dem Luftschiff und montiert noch was.“

Beide gingen langsam Richtung Luftschiff, welches an einem kleinen Steg vor Anker lag. In der Nähe plantschte ein Bär im Wasser und versuchte Fische zu fangen. Saeryn schaute zu ihrem Gefährten. „Ich bin mir langsam nicht mehr so sicher, ob das wirklich Varulf ist oder nicht einfach irgendein Bär…“ Septic legte die Stirn in Falten. „Jetzt wo du es sagst, viel gesprochen hat er ja nicht…“ Beide gingen über den Steg. Ein paar Goblins waren immer noch dabei die letzten Arbeiten am Luftschiff durchzuführen.

Beim Aufstieg zum Deck hörten sie bereits Anira schimpfen „Hallo – rede mit mir und maul mich nicht an…“. Sie stand beim Steuermann, der mit dem Rücken zu ihr auf dem Boden kauerte. Es war ein Taure, so viel ließ seine bullige Gestalt erkennen. Ansonsten war nur seine graue lange Haarmähne zu erkennen. „AAAARRRRR“, grölte er Anira zu und stierte weiter auf den Boden. Sie blickte zu Saeryn und Septic rüber und wirkte total genervt. „Gut dass ihr kommt, er redet nicht mit mir. Keine Ahnung wen Tham da hergeholt hat. Ich wollt doch nur wissen, ob ich ihm helfen kann, weil er da nur auf dem Boden sitzt. Und das einzige was er macht, ist maulen.“ – „MAAAAAUUUUUU“.

Saeryn ging um dem Steuermann herum und blickte auf ihn ab. Er schaute auf und grinste. Irgendwie kam er ihr bekannt vor. Aber klar….“Hallo Ava, alles gut?“ – „AVA?“ Anira konnte es nicht fassen. „Ava? Was maulst du mich denn so an?“ Er drehte den Kopf. „Na versuch du mal zu dösen und andauernd zupft jemand an deinen Haaren. Dir würde das sicher auch nicht gefallen. MUAHAHA.“ Er lachte lauthals auf. „Du weißt doch Niri, bisschen irre war der schon immer.“ Saeryn lächelte Anira zu. Diese verdrehte die Augen. „Gnarf, aber dass es so schlimm um ihn gekommen ist.“ Avalanche stand auf. „Ich bin hier und wach. Über jemanden in seinem Beisein zu sprechen ist unhöflich.“ Er grinste wieder breit.

„Und du kannst so ein Ding fliegen?“, fragte Septic. – „Jo“ – „Du weißt wohin?“ – „Jo“ – „Ehrlich?“ – „Jo“ – „Wo hat dich Tham überhaupt….“ Ein heftiger Ruck ging durchs Schiff gefolgt von einem dumpfen Knall.

Thameno kletterte die Außenleiter hinauf und lies sich mit dem Schwert in der Hand entkräftet aufs Deck fallen. „Wir bekommen….Besuch…“ Hinter ihm krabbelten verweste Leichen über die Reling. Eine fiel direkt in seine Klinge, der nächsten hing Weidejosi in seiner Katzengestalt mit fletschenden Zähnen im Nacken, die nachfolgenden begrüßte schon ein Feuerregen von Saeryn. Anira spendete mit einem Druidenzauber Thameno neue Kraft. Er rappelte sich auf und blickte sich um.

Am Ufer waren die ersten Mitglieder der Legion auch schon unterwegs. Thamarus schickte Ihnen einen Kettenblitz entgegen, Orboros und Ghorak begrüßten sie mit ihren Pfeilen im Dauerbeschuss. Varulf zerfetzte ein paar der Gegner direkt im Wasser, Nariko schließlich ließ die vorderen Meter des Küstenstreifens im Eis verschwinden.

Hellwitch und Hellsick hatten ihren Streit vergessen und waren ebenfalls mitten im Geschehen. Sie rief ihm zu „Ich treff hier nichts. Meine Zauber kommen immer zu spät. Entweder war mein Wichtel schon schneller oder einer dieser blöden Pfeile kommt mir zuvor.“ Hellsick schaute angestrengt und ohne ein Wort kurz zurück. Er hatte Mühe Varulf am Leben zu halten, der sich einer immer größeren Schar von Gegner gegenübersah. Saeryn blickte zu Thameno und Septic „Versucht Varulf unten zu helfen, hier oben kommen wir klar.“ Thameno sprang herunter. Septic streckte einen Arm mit seinem neuen Schwert in die Höhe „Bei der Macht von…“ Er wurde unterbrochen und arg zurück geschleudert, als ein neuerlicher Stoß das Luftschiff erzittern ließ.

Eine Verdammniswache tauchte aus dem Meer auf, ihr Schwert steckte halb im Rumpf des Schiffes. „Ghorak, Orbi!“ schrie Saeryn durch den Kampflärm. Beide Jäger deckten den Dämon mit ihren Pfeilen ein. Septic ließ sich vor die Wache fallen und gab ihr den Gnadenstoß.

Der Strand wurde mittlerweile von mehreren Toten und Teufelshunden gestürmt. Phaloma, Hellsick und Anira versuchten ihre Freunde mit Zaubern zu unterstützen und ihre Wunden zu heilen. Aber es wurden immer mehr Gegner.

Saeryn schaute auf das unkoordinierte Kampftreiben ihre Freunde. Noch ging das ganze gut. Wieder erzitterte das Schiff. Eine Höllenbestie stampfte aus dem Meer. Die Hexenmagierin blickte zu Avalanche „Wir müssen hier weg.“ – „Ich bin schon dabei das Schiff startklar zu machen. Aber die anderen sind noch nicht da…“ – „Doch da kommen sie.“ Er schaute zum Horizont und sah eine kleine Gruppe beim Überqueren der Hügelkuppe. Hinter ihnen kamen Heerscharen der Legion zum Vorschein. „Bei den Göttern…“ Avalanche betätigte in schneller Abfolge die Schalter der Startprozedur.

Die nahe Höllenbestie war nun am Steg und drosch auf ihn ein. Sie wollte ihnen den Fluchtweg abschneiden, das war offensichtlich. Alle Fernkämpfer schossen ihre Zauber und Projektile in ihre Richtung. Sie hielt stand, wenn auch schwer angeschlagen. Ein weiterer Schritt, sie hob ein letztes Mal ihre flammenden Fäuste zum endgültigen Schlag als sie von hinten von etwas großem schwer getroffen wurde und zu Boden brach.

„Was zum Geier…?“ Phaloma und die anderen trauten ihren Augen nicht. In die Höllenbestie war ein Netherdrache hinein gekracht. Er lag jetzt ein wenig abseits des Steges und kam langsam auf die Beine. Auf ihm saß eine Blutelfenpaladine. „Zuerst find ich den Weg nicht und dann will das Vieh nicht so landen wie ich will.“ Sie blickte sich um und starrte in die fassungslosen Gesichter um sich herum. „Sorry, bin ich zu spät?“ – „Nein, alles gut Neemoa. Es ist nur so…überraschend vorhersehbar.“ Josi grinste bei seinen Worten und schaute sich um. Nach dem Kampf gegen die Höllenbestie war ihnen gar nicht aufgefallen, dass die Angriffe wie aus dem Nichts aufgehört hatten. Die andere Gruppe war fast bei ihnen und hatte die Verfolger leicht abgehängt. Aber diese Stille…

…verwandelte sich urplötzlich in einen riesigen gewalttätigen Ausbruch. Die Erde vor ihnen brach auf. Die Hälfte der Gruppe wurde zurück geschleudert und landete meterweit weg auf dem Boden oder im Wasser. Zuerst sah man gewaltige Hände und Arme aus dem Boden hervor kommen. Etwas gigantisches zog sich aus dem Erdreich nach Oben. Schon kamen die ersten Salven und Zauber dem Dämon zugeflogen.  Doch sie prallten wie an einer Art unsichtbarer Wand ab. Thameno und Septic warfen sich ihm mit ihren Schwertern entgegen. Sie konnten den Schild durchbrechen, aber die Haut des nunmehr meterhohen rotglühenden Dämons war hart wie Thorium.

„Wir müssen ihn nur ein paar Minuten aufhalten. Die anderen sind gleich da.“ Saeryn rief vom Deck aus und hoffte, dass die anderen sie hören würden. Im Hintergrund liefen die ersten Propeller des Luftschiffes an. Wie aus dem Nichts erschienen auch wieder alle anderen lebenden Leichen und Dämonen und griffen gesammelt an. Es war das pure Chaos. Inmitten des Angriffs lachte der riesige Dämon laut auf und ballte seine linke Hand zu einer Flammenfaust. Kolrarr, Corch und der Rest aus Ratchet waren mittlerweile ebenfalls im Getümmel. Beschorner torkelte nun auf eigenen Beinen neben Niragara. Seine Sicht war vernebelt, er stierte zum Dämon und fragte sich was an dem dummen Vieh denn so schwierig sein konnte.

Wenn er nur nah genug an den Dämon heran kam und dieser das Maul aufriss, dann…er zögerte keine Sekunde, lief an allen anderen vorbei. Fast da, Septic rief ihm was zu, nein – er war fast…etwas packte ihn. Eine dritte Hand des Dämons hob ihn in die Höhe, presste ihm die Luft aus den Lungen. So nah vorm Ziel durfte dies nicht sein. Er sah dem Dämon in die Augen, sah die Bösartigkeit, sah seine flammendene Hand näher kommen, sah wie alle Angriffe vor dessen Gesicht abprallten und erkannte auf einmal die Dolche, die sich von hinten durch den Kopf des Dämons und in seine Augen bohrten. Im Schatten erschienen zwei Schurken. Tarlek und Fubak kauerten auf der Schulter des Dämons und stachen auf ihn ein. Der Griff um Beschorner löste sich. Im Fallen dachte er an seinen Plan, konzentrierte sich nur auf das eine Schattenwort: Tod. Im Geiste sah er das grölende Maul des Dämons – dessen Zunge. Kurz vor dem Aufprall hörte er die Explosion – jaaaaa. Keine Kraft mehr – jemand fing ihn auf.

„ZUM SCHIFF!“, Saeryns Ruf ging im Kampflärm fast unter. Doch die anderen hörten sie. Niragara lief vor, er hatte Beschorner wieder über der Schulter. Die gesamte Gruppe kämpfte sich rückwärts zum Schiff. Der Feind kam von allen Seiten. Septic, Thameno und Varulf waren die letzten, die das Schiff erreichten und den Eingang vom Steg versperrten. „LOS AVA….STARTEN….“, Thameno versuchte den Durchgang zum Schiff mit seinem Schild zu versperren. Gegnermassen krochen über die Reling. Die Gruppe kämpfte um ihr Überleben.

Die Rotoren des Schiffes heulten nun lautstark auf. Avalanche drückte den Starthebel nach vorne. Das Schiff nahm von einem auf den anderen Augenblick stark an Fahrt auf. Es fraß sich geradezu durch die Dämonen der Legion, die aus dem Meer kamen. Körperteile flogen durch die Luft, Überbleibsel der Gegner erledigten Torel, Thamarus, Nariko und die anderen Fernkämpfer in der Luft. Und dann wurde es schlagartig still. Das Luftschiff erhob sich und nahm an Höhe zu. Es wurde ruhiger, einzig die Propeller summten durch die Luft.

Die Gruppe sank zu Boden, vollkommen erschöpft. Varulf verwandelte sich in seine Taurengestalt, er blutete aus zahlreichen Wunden, Phaloma versuchte ihn so gut es ging zu heilen. Beschorner lag bewusstlos in der Ecke und wurde von Anira behandelt. Hellwitch blickte ins Leere und schluchzte „Es waren so viele…und ich konnte kaum helfen.“ Neemoa spendete ihr Trost und heilte dabei ihre eigenen Wunden.

Thameno blickte zu den beiden Schurken. „Das ging gerade noch gut.“ – „Entschuldigt, dass wir so spät kamen.“ Tarlek verband gerade seinen rechten Arm. „Die Liga der Rabenholdt wollte uns nicht so recht gehen lassen. Also mussten wir ein wenig nachhelfen.“ Fubak schaute ernst drein bei seinen ergänzenden Worten. Niragara blickte zu ihnen. „War Senomis bei euch?“ Fubak schüttelte den Kopf „Nein – sie hat uns schon vor Wochen verlassen.“ Der Schamane ließ den Kopf hängen. Thameno versuchte sie zu trösten. „Macht euch keinen Kopf. Sie wird schon ok sein. Es war wichtig, dass ihr kamt. Ohne euch wäre Beschorner nicht mehr und wir wahrscheinlich auch nicht.“

Beschorner richtete sich auf. Er wurde scheinbar langsam nüchtern und blickte hoch. „Ja wir wären fast tot. Nicht dass ich es nicht mitbekommen hätte.“ Es musste aufstoßen. „Kolle, du elendige Made, was hast du dir dabei gedacht?“ Er schaute streng zum Orcschamanen. „Schau sie dir an, erschöpft, am Boden. Das ist nicht mehr die starke Gruppe von einst. Müde – alt – nicht in Übung. Wolltest du sie – nein, wolltest du uns in den Tod schicken?“

Kolrarr trat an Beschorner heran, zog ihn hoch und zeigte nach unten. „Nein – tot wären wir da.“ Sie blickten über die Reling. Unter ihnen war Orgrimmar, ihre Hauptstadt. Doch es war kein Leben in ihr, überall lagen Leichen, Teufelshunde knabberten an ihnen. Die Häuser brannten oder waren schon Asche. Die Mauern waren halb eingestürzt…

Niemand fand ein Wort, ihnen stockte bei diesem Anblick der Atem, Tränen flossen. Ghorak fand als erstes seine Stimme wieder. „Da hinten fliegen noch Teufelswachen, wenn sie…“ Ava unterbrach ihn „Hab sie schon gesehen, ich dreh ab.“ „Und wo sollen wir hin?“ Neemoa schaute fragend, eine Träne kullerte an ihrer linken Wange herab.

Varulf, der bis dato geschwiegen hatte, hielt sich eine Hand gegen die Rippen und ballte die andere zur Faust. Er schaute aufs Meer hinaus. „Da wo wir schon die ganze Zeit hin wollten – zu den Verheerten Inseln. Lasst uns dem ganzen ein Ende bereiten….“

Hier geht´s weiter mit Teil 3…

(Alle Rechte an den Bildern Blizzard Entertainment)

9 Gedanken zu “Die etwas andere Vorgeschichte zu Warcraft Legion (Teil 2 von 3)

  1. Einfach phantastisch, das ist so schön und unterhaltsam zu lesen.
    Da bekomme ich richtig Heimweh nach Azeroth und Lust mal wieder zu zocken….
    Freue mich auf den 3.Teil 🙂

  2. Lese alles leicht verspätet, aber doch noch rechtzeitig. Macht ultra Laune, Kolle, was eine Action. Vor allem, weil es mittlerweile bei meinem jährlichen Kurzbesuch in der WoW tatsächlich Dämonen an jeder Ecke regnet…

    Viele Grüße
    Josi/Flo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*