Eine Ode an Fußball-Manager – Teil 1: Die Ursprünge

Jetzt hat’s doch was länger bis zum nächsten Text gedauert. Und weil der so arg lang wird, gibt’s ihn auch gleich in mehreren Teilen. Was ist es wert, so viele Zeilen Text spendiert zu bekommen? Nun – wir stehen kurz vorm Start der Bundesliga-Saison und was liegt da näher, als sich mit der Welt der Fußballmanager auseinander zu setzen. Die Welt, in der man es – zumindest fiktiv – zu Ruhm und Reichtum bringen kann, sich sonnen im Paradies der Steuerlosen…

Irgendwie haben mich Fußballmanager schon immer fasziniert. Wenn man nur an die alten Klassiker wie Bundesliga Manager oder Anstoss denkt. Zu zweit, zu dritt oder selten auch zu viert saß man vor dem Amiga, Atari oder später auch PC und schlug sich die Nächte um die Ohren. Saison nach Saison rauschte dahin. Wenn man müde war, traf man sich am nächsten Tag wieder und fieberte seinen Teams entgegen, verfolgte mit Spannung die Derbys und schon wieder war es 3 Uhr morgens.

Was waren das für Zeiten, als ich mit nem Freund mit je zwei Teams (ich Hamburg und Dortmund, er München und Köln) beim allerersten Bundesliga-Manager an die 30 Saisons spielte, der HSV absoluter Rekordmeister war und man, heut schon in Vergessenheit geratene, Teams wie Arminia Hannover, SV Charlottenburg oder Altona 96 kennenlernte. Statistiken gab es damals kaum und mein Amiga auch keinen Drucker, also musste man selbst die historischen Ereignisse dokumentieren:

BM_statistikEinen textlichen Live-Ticker gab es auch noch nicht. Der Ball pendelte auf einem horizontal verlaufenden Spielfeld von links nach rechts, bis er unter tosendem Torjubel in einem der beiden Tore ankam. Unvergessen auch das „Intro“ mit allen Mannschaftswappen, die damals in den oberen 4 Ligen bekannt waren und im Hintergrund tönte es „Fußball forever…“.

Die Zeitschrift Amiga Joker brachte es damals sogar fertig, eine Rubrik zu führen, in der einmal pro Monat ein Spieltag gespielt wurde. Die Aufstellung konnten die Leser per Briefwahl festlegen. Man kann schnell abzählen, wieviele Monate so eine Saison damals in der Zeitschrift dauerte…

Der Textticker kam dann erst mit Anstoss und brachte noch mehr Spannung in die laufenden Spiele. Das Spiel war mit sehr viel Witz programmiert und nahm sich und das Fußballgeschäft nicht zu ernst. Etwas was man heutzutage auch mal wieder gerne hätte. Auch hier zockte ich mit nem Freund Saison nach Saison. Unvergessen mein Rekordtorjäger Bolzan Adailton. Der Name war Programm…

anstossIch gebe zu, natürlich habe ich in der Anfangszeit auch alleine meine Saisons gespielt. Wobei mir dies zu schnell zu langweilig wurde und ich lieber 4 Teams gleichzeitig um die Wette betreute. Aber der richtige Spielspaß ergab sich nur zu zweit oder mehr. Hier Transfers, da Aufstellung und Taktik, das Verfolgen der Texttickers und zum Saisonabschluss die spannungsgeladenen Auf- und Abwertungen der Spieler. Und samstags auch noch live im Hintergrund die Radiokonferenz…

Mit der Zeit kamen neue Manager auf den Markt, auch mal schlecht programmierte Versionen vom Bundesliga Manager und Anstoß. Deren Publisher Software 2000 und Ascaron gingen baden und am Ende blieb hierzulande bis heute nur der Fußball-Manager von EA. Es gibt in England noch einen guten Manager, aber Konkurrenz sieht anders aus…

Die Zeiten änderten sich, man wurde älter, hatte nicht mehr so häufig Zeit, um sich für das Abspulen der Saisons zu treffen. Was machte es auch für einen Sinn, sich einmal alle 2 Monate mit der Saisonvorbereitung oder der laufenden Saison zu beschäftigen, um nach der Pause wieder aufs neue Zeit zum Erinnern zu investieren. Da war die Zeit für ein paar kurze Partien Fifa besser geeignet…

Selbst bei Fifa kann man ja mittlerweile nicht nur selbst spielen, sondern sein Team auch managen, neue Spieler kaufen, Taktik etc. Das ist auch nicht neu. Basierend auf Kick-Off für Amiga und Atari kam in den 90ern Player Manager heraus. Auch da war man quasi der Manager konnte aber auch als Spieler auflaufen und somit die Partien selbst spielen. Mit der Zeit wurde man immer älter und lief zum Schluß als 40-jähriger „Opa“ rum. Hat damals verdammt viel Spaß gemacht. Ging leider nur alleine, einen Multiplayer-Modus hatte es nicht. Während ich diese Zeilen tippe und zurück blicke, fällt mir auf, dass ich diesen Modus bei Fifa nie richtig ausprobiert habe. Glaub es wäre mal Zeit, vielleicht auch zu mehreren als Liga, wäre ne Idee…

playermanager_titelDoch kommen wir zum Werdegang der normalen Manager und ihren Wechsel ins Online-Fach. Natürlich schaute man sich mit wachsendem Internet nach Online-Managern um. Dort konnte man sich auch mit mehreren Kumpels anmelden und zusätzlich mit Fremden um Auf- oder Abstieg kämpfen. So testeten wir einen Manager nach dem anderen, nur um festzustellen, dass mal mit realem Geld das Team verstärkt werden konnte, mal die Community fragwürdig daher kam, mal die Einstiegshürden zu hoch waren und manchmal einfach nur das Spiel abartig schlecht programmiert war.

Natürlich gibt’s da auch die guten, die Spaß machten, wie bspw. Hattrick. Damit fing bei mir das Online-Managen an. Irgendjemand kam in der Uni mit dem Tipp um die Ecke und prompt waren wir gefangen. Woche für Woche Ligaspiele, die während der Vorlesungen gruppenweise vorbereitet und analysiert wurden. Mit der Zeit kamen immer mehr Freunde und Bekannte dazu, man fand sogar Neue. Nachdem aber irgendwann nach ein paar Spieländerungen quasi meine komplette hoch talentierte Mannschaft nichts mehr auf dem Transfermarkt wert war und immer noch horrende Gehälter bezog, war mein Spielspaß dahin….aber Hattrick hatte und hat auch sicher noch heute seine Daseinsberechtigung. Einige meiner Kumpels spielen es immer noch, wenn auch nicht mehr mit dem Einsatz der früheren Jahre. Wobei ich die Einstiegshürden als kompletter Neuling oder nach jahrelanger Pause heutzutage schon hoch finde. Und die Perspektive es jemals bis nach ganz oben zu schaffen, dürfte bei der Anzahl der Spieler, die es heute spielen, ungefähr bei Null liegen.

Und so sichtete ich weiter, nach dem Manager! Zwischendurch dachte ich, EA hätte mich erhört, als deren Fußball Manager endlich einen Online-Mehrspielermodus spendiert bekam. Aber der war so dermassen abgespeckt im Gegensatz zum normalen Spielmodus, dass der Spielspaß auf der Strecke blieb. Eine andere Hürde war die Tatsache, dass sich jeder im Freundeskreis, der mitspielen wollte, quasi für ca. 60 € das Spiel kaufen musste. Dann verabredet man sich alle paar Tage, vielleicht auch mal Wochen und dann schaltet EA nach 2 Jahren die Server ab und vorbei ist es mit dem Spiel zu viert…mittlerweile ist die Online-Variante bei EA nämlich wieder Geschichte.

Aber das wäre es eigentlich, was man sich wünschen würde. Einen Manager, den man im geschlossenen Freundeskreis online spielen kann. Man gibt sich feste Terminvorgaben bis zum nächsten Spieltag und schaut sich abends Zuhause, übers Headset quatschend, einen Spieltag an. Und wenn Zeit ist, dann gerne auch mehrere Spieltage hintereinander. Dürfte ja nicht so schwer zu programmieren sein. Womöglich ist der Kundenkreis zu klein. Aber bei der Anzahl von Online-Managern kann das eigentlich nicht sein. Na vielleicht checkt es EA oder sonst wer irgendwann und man muss nicht mehr im Keller umgeben von verstaubten Packungen in Erinnerungen schwelgen…

IMG_6559Aber da gibt’s dann noch den anderen Typ Manager, den mit den realen Spielern, wo sich jedes Tor, jede Vorarbeit, jede Note auswirkt. Wie den Kicker Manager, den Sport1 Manager, Communio….

Aber das ist ein Thema für sich und somit für den 2.Teil der Ode an Fußball-Manager…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*